Pressefoto: Courtesy of Karen Stephenson

Modernes Leadership ist weniger eine Frage der Position als vielmehr der Informationen, die Führungskräften zur kompetenten Entscheidungsfindung zur Verfügung stehen. Hier kommt die von mir sehr geschätzte Anthropologin Dr. Karen Stephenson mit ihren über 30 Jahre anhaltenden Forschungen zu menschlichen Netzwerken ins Spiel.

Ihre Thesen, von denen sie einige wesentliche in kurzen Videos auf ihrer eigenen Homepage präsentiert, sind ausgesprochen wertvoll und nachvollziehbar. Ich selbst kann ihre Schlüsse aus meiner eigenen jahrelangen Erfahrung im Bereich der Zusammenarbeit über herkömmliche und digitale Netzwerke in Großkonzernen heraus nur bestätigen.

Lesson 1: Netzwerke gab es schon immer

Zu den Kernaussagen von Dr. Karen Stephenson gehört die These, dass es unter Menschen schon immer private und berufliche Netzwerke gegeben hat. Diese entstehen nicht zufällig sondern unterliegen vielmehr festen Gesetzen und Regeln.

Lesson 2: Netzwerke lassen sich steuern

Wer die erwähnten Regeln kennt und versteht, wie ein bestimmtes Netzwerk funktioniert, kann auch die sogenannten “Key-Connectors” identifizieren. Mit diesen besonders aktiven und wichtigen “Schlüsselfiguren” lässt sich das jeweilige Netzwerk zu einem bestimmten Grad beeinflussen und formen. Ein Netzwerk ist eine Struktur von Kulturen. Der Schlüssel, um Firmenkultur zu verändern ist die Fähigkeit, das Netzwerk analysieren, messen und monetarisieren zu können.

Lesson 3: Netzwerke sind oft unsichtbar

Wichtig für das Verständnis im Business-Umfeld ist, dass sich durchschnittlich 50 Prozent der Netzwerke an offiziellen Hierarchien anlehnen, die andere Hälfte jedoch meist informell und damit für die Führungskräfte meist unsichtbar ist. Ein herkömmliches Organigramm bildet somit nur etwa die Hälfte der tatsächlich ablaufenden Arbeitsprozesse ab. Das von Dr. Stephenson entwickelte Netzwerk-Chart stellt dagegen auch dar, wie Menschen informell zusammenarbeiten, was mindestens die Hälfte des Wissens in jeder Organisation darstellt. Manager und Entscheider müssen beide Welten verstehen, um vernünftige Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen zu können und das Verhalten ihrer Mitarbeiter möglichst gut verstehen zu können.

Lesson 4: Die Hauptwährung in den Netzwerken ist Vertrauen

Dr. Stephenson ist sicher: Netzwerke werden von Vertrauen zusammengehalten, nicht Traffic, nicht Transactions, nicht Technology sondern Trust, also Vertrauen. Es ist wichtig zu verstehen, was Menschen dazu motiviert, sich gegenseitig zu vertrauen und in einem Netzwerk zusammenzuschließen. Wenn sich Vertrauen in Netzwerken messen lassen würde, könnte ein genaueres Bild davon entstehen, welchen Beitrag die Mitarbeiter in ihrem Unternehmen leisten.

Lesson 5: Netzwerk Management lohnt ist extrem profitabel

Im Gegensatz zu manch anderer wissenschaftlicher Disziplin lässt sich hier relativ leicht und direkt ein hoher ROI für die Betriebe ableiten, die Netzwerk Management als Tool einsetzen. Die hohe Zahl an erfolglosen Firmenübernahmen und Zusammenschlüssen würde sich extrem senken lassen, wenn erfahrene Netzwerk-Analysten zuvor die unterschiedlichen Kulturen und Erwartungen der beteiligten Partner transparent machen. Doch nicht nur im wirtschaftlichen Umfeld ist Network Management ein Gewinnbringer. Auch im politischen Bereich könnte es helfen, Krisen und Problemsituationen vorherzusehen, zu vermeiden oder abzumildern.

Deswegen, so Dr. Stephenson, ist es so wichtig, die wissenschaftlichen Prinzipien der Netzwerk-Analyse von der Theorie in die Praxis zu verlagern und in die Hand der Business-Entscheider, Politiker und Organisationen zu geben. Ihr Credo: „If you can’t see the networks, then you can’t manage them!“

Weitere Informationen zur faszinierenden Arbeit von Dr. Karen Stephenson gibt es in ihren Büchern sowie auf ihrer Homepage www.drkaren.us.